“Erst kommt das Fressen dann kommt die Moral“ - Dreigroschenoper/ B.Brecht
Ottos Mops - Ernst Jandl

German Identity in Literature

Die Suche nach dem eigenen Kern, dem Ich, der trotz allem Wandel im Laufe der Zeit stabil bleibt, ist ein gängiges Motiv in allen Medien. Die vielseitigen Erscheinungsformen der Identität als Ich-Identität aber auch als sexuelle, nationale oder kulturelle Identität verwirren und beschäftigen die Menschen. Meine Arbeit geht auf die Suche nach der kulturellen Identität, wie sie in der Lyrik einer Kultur gefunden werden kann. “Unsere Sprachen sind unsere Medien. Unsere Medien sind unsere Metaphern. Unsere Metaphern schaffen den Inhalt unserer Kultur” (Neil Postman, 1992). Nimmt man diesen Gedanken auf und verknüpft ihn mit den Grundzügen einer Erzähltheorie, wird die Bedeutung von Literatur für eine Kultur noch deutlicher. Albrecht Koschorke, schrieb 2012 in Wahrheit und Erfindung, Grundzüge einer Allgemeinen Erzähltheorie, dass sich „Kulturen eher träumen und dichten, als dass sie sich denken. Auf dieser Stufe wird unentscheidbar, was Wahrheit und was Erfindung ist.“ Wir alle sind geprägt von Gedichten und Literatur, die zum sogenannten Kanon der Literatur gehören. Reich-Ranickis sagte 2001 über seinen Kanon lesenswerter deutschsprachiger Werke, dass „der Verzicht auf einen Kanon würde den Rückfall in die Barbarei bedeuten“ würde. Demzufolge kommt man im Laufe der Bildungsbiographie nicht umhin sich mit Werken von Wilhelm Busch, Johann Wolfgang von Goethe, Rainer Maria Rilke oder Marcel Reich-Ranicki auseinander zu setzen. Hinzu kommen Volkslieder, Opern und artverwandtes. All das prägt unsere kulturelle Identität! Doch ist dieser Kanon in der heutigen Zeit anschlussfähig? Wie hätten die Werke ausgesehen, würden sie jetzt erschaffen? Was wenn die Dichter keine Dichter, sondern Fotografen mit den Möglichkeiten der heutigen Zeit gewesen wären? Wie kann der Kern eines literarischen Werkes in der (gänzlich anders funktionierenden) Bildsprache der Fotografie dargestellt werden? Dieser Frage geht die Bildstrecke nach und entschlüsselt die Essenz ausgewählter deutscher Literatur und transformiert diese in die heutige Zeit. Als fotografisches Mittel fällt die Wahl hier auf Still- Life Fotografie, in der Produkte unserer Konsumgesellschaft als Sinnbild für die Identität dieser präsentiert werden. Gemeinsam mit ausgewählten kurzen Zitaten der interpretierten Literatur sorgt die Präsentation für eine Konfrontation mit der eigenen kulturellen Identität und hinterfragt diese kritisch. Durch die Reduktion auf ein Still- Life wird die oder der Betrachter*in auf gänzlich andere Art involviert. Reicht der eigene kulturelle Wissensschatz, um die Botschaft dieser cross-medialen Umsetzung der anderen Art zu entschlüsseln? Sprache, Bild und kulturelle Identität werden so verbunden und auf andere Art und Weise zugänglich gemacht. Dabei erfolgt eine implizite Aufforderung die ursprünglichen Zeithorizonte und Entstehens-Bedingungen der Lyrik in Relation zum aktuellen Zeitgeschehen zu reflektieren und somit die heutige Gesellschaft und den eigenen Platz in ihr zu hinterfragen. Somit beschäftigt sich die Serie nicht nur mit der kulturellen Identität, sondern führt zu einem neuen Identitätsbewusstsein.